Warum sechs Menüpunkte schlechter sind als drei
Jede zusätzliche gleichrangige Option verlängert die Entscheidungszeit messbar. Was das für die Startseite eines Handwerksbetriebs bedeutet.
Die meisten KMU-Websites haben ein Navigationsproblem, das aussieht wie ein Designproblem. Sechs bis neun Menüpunkte, alle gleich gewichtet, alle gleich wichtig aussehend. Das Ergebnis ist nicht Übersicht, sondern Lähmung.
Der Effekt hat einen Namen
In der Entscheidungsforschung ist der Zusammenhang zwischen Auswahlmenge und Entscheidungszeit gut beschrieben: Je mehr gleichrangige Optionen vorliegen, desto länger dauert die Wahl — und desto wahrscheinlicher wird gar nicht gewählt. Auf einer Website heißt „gar nicht gewählt" schlicht: zurück zur Suchergebnisliste.
Der entscheidende Zusatz wird oft übersehen: Der Effekt tritt nur bei gleichrangigen Optionen auf. Eine Seite mit zwölf Links ist unproblematisch, solange erkennbar ist, welcher der wichtigste ist. Das Problem ist nicht die Menge. Es ist die fehlende Hierarchie.
Was das praktisch bedeutet
Ein Dachdeckerbetrieb hat typischerweise diese Menüpunkte: Startseite, Über uns, Leistungen, Referenzen, Karriere, Kontakt, Impressum. Sieben Optionen, sieben gleich große Wörter in einer Reihe. Für den Besucher, der ein undichtes Dach hat, sind sechs davon irrelevant.
Die Umstellung ist unspektakulär und wirkt sofort: Ein Menüpunkt wird zur Handlung („Anfrage senden"), bekommt Farbe und Fläche und steht optisch außerhalb der Reihe. Die restlichen sechs bleiben — sie werden nur leiser. Niemand verliert Information, aber jeder erkennt in einer Sekunde, was hier zu tun ist.
Der Gegeneinwand
„Aber meine Kunden wollen sich informieren." Das stimmt. Sie tun es nur nicht über das Menü, sondern durch Scrollen. Auswertungen von Nutzungsdaten zeigen regelmäßig, dass die Startseite selbst weit mehr gelesen wird als jede Unterseite — und dass Menüklicks überwiegend von Besuchern kommen, die etwas Bestimmtes suchen, meistens die Telefonnummer.
Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz: Die Unterseiten, über deren Aufbau am längsten diskutiert wird, sind selten die, die über den Auftrag entscheiden.
Die Regel, die wir daraus ableiten
Pro Bildschirmausschnitt dominiert genau eine Handlung. Nicht eine Handlung pro Seite — eine pro Ausschnitt. Wer scrollt, darf jederzeit denselben nächsten Schritt sehen. Alles andere ist Beiwerk und wird auch so gestaltet.
Das klingt nach einer Gestaltungsfrage. Es ist eine Vertriebsfrage.